Wahlhausen / Kirche - Navigation
Wahlhausen / Kirtche / Aufklappmenü

1
2
3
Seite 1/3
Inventarien der Kirche

Das Urteil des Pilatus - ein barockes Andachtsbild. Solange es Christen gibt, hat es viele beschäftigt, wie Pontius Pilatus dazu gekommen ist, Jesus zum Tode zu verurteilen. Nach römischem Recht hätte er es nicht tun dürfen, weil die von den Juden vorgetragene Anschuldigung der Gotteslästerung nicht todeswürdig war und der angebliche Anspruch Jesu, König der Juden zu sein, von Pilatus nicht ernstgenommen wurde. Deshalb wurde immer wieder versucht, eine Revision des Pilatusurteils zu erreichen. Ziel war nicht nur die Rehabilitation Jesu, sondern auch Argumente für die Verfolgung der Juden zu haben, die an Jesu Tod schuld waren. Diese Versuche wurden noch bis in die Neuzeit unternommen. Dazu brauchte man Beweismaterial. So tauchten immer wieder ,,Urkunden" auf, die als Protokolle oder Berichte der Gerichtsverhandlung des Pilatus ausgegeben wurden. Sie mußten u.a. aber alle falsch sein, weil zur Zeit Jesu nachweislich im Römischen Reich keine Gerichtsprotokolle angefertigt wurden. Richtig in Gang kamen diese Bemühungen im Jahre 1511, als in Vienne an der Rhone das angebliche Protokoll des Pilatusurteils gefunden wurde. Mit rasender Eile verbreitete sich dieser Fund als Flugblatt in ganz Europa. Als 1580 in Aquila in den Abruzzen auch noch die angebliche  hebräische Originalfassung dieses Protokolls auftauchte, wurde der übersetzte Textüberallhin zur Stärkung der Volksfrömmigkeit verbreitet. Und gleichzeitig entstanden nun auch Bilder, die die Verhandlung auf dem Hochpflaster in Jerusalem farbenprächtig darstellten. In einer Szenerie erscheinen neben Pontius Pilatus der Hohepriester Kaiphas, sieben Rabbiner, drei Pharisäer,fünf Vertreter der weltlichen Macht (Hoher Rat, Magistrat), zwei Notare und zwei kaiserliche Beamte als Protokollanten, alle mit Namen festgehalten und, bis auf wenige biblisch bezeugte Vertreter wie Nikodemus oder Joseph von Arimathia, offensichtlich alle erfunden. Bis ins 19. Jh. wurden immer wieder neue Bilder von dieser Szene gemalt, mit mal mehr, mal weniger und oft verschiedenen Namen (in Wahlhausen, das nun eben auch ein solches Bild erstand, gibt es z.B. den Namen der Frau des Pilatus, sie heißt ,,Claudia Rogalla"). Das Wahlhäuser Pilatusbild ist nach Ansicht eines erfahrenen Göttinger Kunsthistorikers ca. hundert Jahre älter, als die Endterschen Bilder an den Emporenbrüstungen, also in der zweiten Hälfte des 17. Jh., auch von einem Laienmaler nach einer Vorlage, entstanden. Ursprünglich hing es hinter der Kanzel und mag bei manchen Predigten als Demonstrationsobjekt gedient haben


.