Das Urteil des Pilatus -
ein barockes Andachtsbild. Solange es Christen gibt, hat es viele beschäftigt, wie Pontius Pilatus dazu gekommen
ist, Jesus zum Tode zu verurteilen. Nach römischem Recht hätte er es nicht tun dürfen, weil
die von den Juden vorgetragene Anschuldigung der Gotteslästerung nicht todeswürdig war und der angebliche
Anspruch Jesu, König der Juden zu sein, von Pilatus nicht ernstgenommen wurde. Deshalb wurde
immer wieder versucht, eine Revision des Pilatusurteils zu erreichen. Ziel war nicht nur die
Rehabilitation Jesu, sondern auch Argumente für die Verfolgung der Juden zu haben, die an Jesu Tod
schuld waren. Diese Versuche wurden noch bis in die Neuzeit unternommen. Dazu brauchte man
Beweismaterial. So tauchten immer wieder ,,Urkunden" auf, die als Protokolle oder Berichte der Gerichtsverhandlung
des Pilatus ausgegeben wurden. Sie mußten u.a. aber alle falsch sein, weil zur
Zeit Jesu nachweislich im Römischen Reich keine Gerichtsprotokolle angefertigt wurden. Richtig in
Gang kamen diese Bemühungen im Jahre 1511, als in Vienne an der Rhone das angebliche Protokoll
des Pilatusurteils gefunden wurde. Mit rasender Eile verbreitete sich dieser Fund als Flugblatt in ganz
Europa. Als 1580 in Aquila in den Abruzzen auch noch die angebliche hebräische
Originalfassung dieses Protokolls auftauchte, wurde der übersetzte Textüberallhin zur Stärkung
der Volksfrömmigkeit verbreitet. Und gleichzeitig entstanden nun auch
Bilder, die die Verhandlung auf dem Hochpflaster
in Jerusalem farbenprächtig darstellten. In einer Szenerie erscheinen neben Pontius Pilatus
der Hohepriester Kaiphas, sieben Rabbiner, drei Pharisäer,fünf Vertreter der weltlichen
Macht (Hoher Rat, Magistrat), zwei Notare und zwei kaiserliche Beamte als Protokollanten, alle mit Namen
festgehalten und, bis auf wenige biblisch bezeugte Vertreter wie Nikodemus oder Joseph von Arimathia,
offensichtlich alle erfunden. Bis ins 19. Jh. wurden immer wieder neue Bilder von dieser Szene
gemalt, mit mal mehr, mal weniger und oft verschiedenen Namen (in Wahlhausen, das nun eben
auch ein solches Bild erstand, gibt es z.B. den Namen der Frau des Pilatus, sie heißt
,,Claudia Rogalla"). Das Wahlhäuser Pilatusbild ist nach Ansicht eines erfahrenen Göttinger Kunsthistorikers
ca. hundert Jahre älter, als die Endterschen Bilder an den Emporenbrüstungen, also in
der zweiten Hälfte des 17. Jh., auch von einem Laienmaler nach einer Vorlage, entstanden. Ursprünglich
hing es hinter der Kanzel und mag bei manchen Predigten als Demonstrationsobjekt gedient haben |